Dienstag, 30. Juni 2009

Vorführung

Claudi ist von der Geschichte ganz begeistert. Gespannt hällt sie die Augen zu. Wie wird der gelbe Wuschel wohl aus der brenzligen Situation wieder hinaus kommen, in die Faye ihn hinein-erzählt hat?

Im Raum der Kindersammlung der Haupt-Bibliothek des Landkreises Boone im Städtchen Burlington gibt es ein “Puppentheater zum Selbstspielen”. Und Faye kann hier ihrer (beträchtlichen) Fantasie freien Lauf lassen.

Und ihr Publikum liebt es. Diese Spielfiguren sind ja auch absolut liebenswert.

Montag, 29. Juni 2009

Barack und FDR

Höchstinteressanter Aufmacher im Time Magazine das gestern heraus gekommen ist: was kann Barack Obama von FDR, Franklin Delano Roosevelt, lernen? Schon auf den ersten Blick sind die Parallelen zwischen den beiden Präsidentschaften enorm:

  • Beide Männer kamen zu Zeiten schwerer Wirtschaftskrisen ins Weisse Haus
  • Beide folgten Präsidenten, deren Amtszeiten als gescheitert gelten (Herbert Hoover und George W. Bush)
  • Beide übernahmen das Amt zu Zeiten, als das Bankensystem in Scherben lag
  • Beide führten zwei Kriege gleichzeitig (den europäischen und den pazifischen Weltkrieg für FDR, Irak und Afghanistan für Obama)

Nun, FDR gilt als einer der erfolgreichsten Präsidenten der USA. Er schaffte es, in der großen Krise eine noch größere Chance zu sehen: in zusammen nur 105 Tagen schuf er die Bankenaufsicht, die Börsenaufsicht, die Sozialversicherung, die Arbeitslosenversicherung, und das erste öffentliche Beschäftigungsprogramm der USA (das die ersten Nationalparks der Welt eröffnete). FDR hinterlies ein anderes, ein besseres, Amerika und legte den Grundstein für den Massenwohlstand der Nachkriegszeit. Keine Frage, daran möchte Obama anknüpfen.

FDR schuf die Finanzaufsicht um eine Wiederholung der Bankenpleiten, und damit der großen Depression der 30er Jahre, zu verhindern. Und das hat auch 70 Jahre lang funktioniert. Ironischerweise war es ein anderer Demokrat, Präsident Bill Clinton, der 1996 eine der wichtigsten Stützen dieser Finanzaufsicht (das Glass-Steagall Gesetz) ausser Kraft setzte, und so die Bankenkrise von 2007 erst ermöglichte.

In einer Hinsicht wird Präsident Obama sicher nicht an FDR heran kommen: Roosevelt war der erste, und der letzte, Präsident, der mehr als zwei Amtszeiten absolvierte (er starb zu Beginn seiner vierten Amtszeit). Nach Roosevelt’s Tod schrieb der Kongress das Limit der zwei Amtszeiten in die Verfassung. Davon mal abgesehen, ob Obama es schafft, es diesem Vorbild gleich zu tun?

Sonntag, 28. Juni 2009

Mommy & Faye

Da hat Faye ihre Mommy wieder. Gestern abend gefiel es ihr gar nicht, als Mammi zur Oper verschwand. Sie wollte selbst gerne mitgehen. Aber, als sie hörte, daß man in der Oper nur stundenlang rumsitzt, ohne mitzusingen, ohne zu Tanzen, da war ihr Eifer gleich verflogen.

Da schneiden wir doch lieber für Daddy Grimassen in die Kamera, und führen unsere tollen Haarspangen vor – je mehr davon, desto hübscher.

Getreu dem alten amerikanischen Glaubensspruch: “The more, the better”

Samstag, 27. Juni 2009

Don Carlos

Nein, das ist er nicht persönlich. Aber das ist Claudia auf dem Weg zu ihm. Zu ihr. Zu der Oper Don Carlos. Claudia hat ein Abonnement für die Cincinnati Oper. Diese kleine Regionaloper produziert jährlich nur vier Stücke. Dieses Jahr sind sie dem Thema “Spanien” gewidmet.

Als eines der nächsten Vorstellungen steht dann “Carmen”  ins Haus.

Wir sagens Claudi natürlich nicht, aber ich glabue Carmen geht nicht gut aus …

Freitag, 26. Juni 2009

Portraits im Zoo

Wer diesen Blog regelmäßig liest, der weiss, daß ich gerne Portraits schiesse. Nun, am Wochenende, zum amerikanischen Vatertag, unternahmen wir einen Ausflug in den Cincinnati Zoo, wo sich eine Chance auf ganz andere Portraits ergab. Wie Ihr hier seht – Faye liebt es, den Zoo in etwas erhöhrter Position zu erleben. So sieht sie einfach mehr.

 

 

 

 

 

 

 

Mein erstes Portraitopfer ist ein Berglöwe, oder Silberlöwe, oder Nordameriaknischer Puma, oder “Cougar”, wie er hierzulande heisst.

Für Faye einfach ein knuddeliges Kitti-Kätzchen. Ist ja auch irgendwie goldig. Jedenfalls, solange er in einem Käfig sitzt. Im Südwesten (Utah, Arizona, Nevada, Kalifornien) kommen diese Katzen recht häufig vor. Dort haben die Menschen gelernt, mit den Raubkatzen in der Nachbarschaft auszukommen.

 

 

 

 

Die Dame mit den grossen Augen ist eine Pallas Katze. Hinter Glas fotografiert. Kaum größer als eine Hauskatze, aber deutlich zotteliger.

 

 

 

Und das ist ein Jungtier aus dem neuen Giraffengehege des Cincinnati Zoos. Auf einer Platform steht man als Besucher in Augenhöhe dieser schönen Tiere.

 

Tja, und was einen Besuch im Zoo in der Sommerhitze so erfrischend macht ist das Mistgate (Nebeltor): neblig gesprühtes Eiswasser kühlt die Besucher etwas ab. Sehr zu empfehlen, wenn das Thermometer über 30º Celsius zeigt.

(Das erste und das letzte Foto ist von Claudia aufgenommen)

Mittwoch, 24. Juni 2009

Das Ende einer Ikone

Gestern Abend gab die Firma Kodak bekannt, dass sie im September nach 74 Jahren die Produktion des Filmes Kodachrome einstellen wird. Kodachrome ist der bei weitem am meisten verkaufte Farbfilm aller Zeiten. Das Ende der Produktion ist ein klares Zeichen, daß das Zeitalter der analogen Fotografie zu Ende ist.

Der Kodachrome Film wurde seit 1935 hergestellt, wenn auch die Emulsionstechnologie bis in die 80er Jahre hinein ständig verfeinert und verbessert wurde. Die ersten Kodachrome Filme waren 16mm “Cinema” Filme. Unter anderem wurde 1963 die Ermordung John F. Kennedy’s (unbeabsichtigt) mit einem solchen 16mm Kodachrome Film festgehalten. Seit 1936  stellte Kodak seinen Kodachrome Film auch in einer 35mm Kleinbildfilm-Version her. Diese Version ist es, die zum absoluten Bestseller wurde. Dieser Film begleitete Sir Edmund Hillary auf den Gipfel des Mount Everest, und Neil Armstrong auf den Mond.

Einst ein Bestseller, verkauft sich Kodachrome Film heute nur noch marginal. In der ganzen Welt gibt es nur noch ein Labor, das von Kodak lizensiert ist, Kodachrome Film zu entwickeln (Dwayne's Photo in Parsons, Kansas). Und Dwayne’s Photo entwickelt heute weniger als 100 Rollen dieses Filmes pro Tag.

Als eines der bekanntesten Fotos der aus den Jahren der Analog-Zeit dürfte diese Aufnahme links in die Fotografiegeschichte eingehen. Dieses Bild des National Geographic Fotografen Steve McCurry zeigt ein afghanisches Mädchen im Jahr 1985. Steve McCurry wird auch die Ehre haben, im George Eastman House, der Hauptverwaltung von Kodak in Rochester, New York, im September die letzte Rolle Kodachrome Film zu verschiessen.

Etwas Nostalgie spielt dabei sicherlich mit: McCurry fotografiert seit etwa 8 Jahren ausschliesslich digital.

Dienstag, 23. Juni 2009

Gott sei Dank auswaschbar …

… ist diese Betonfarbe, mit der unser Nachbarjunge TJ da den Hof seiner Eltern verziert. Und auch aus dem Gesicht lässt sich diese Farbe, mit etwas Aufwand, wieder entfernen. Stacy, TJ’s Mutter, war sicherlich sehr froh darum. Wir auch (von uns hatte TJ diese Farbe zum Geburtstag geschenkt bekommen).

 

 

 

 

 

 

 

Und Faye fand das so faszinierend, daß sie gleich mitspielen musste. Da rannte sie wie besessen zu ihrem jungen Freund in den Hof hinüber. Die zwei verstehen sich ohnehin schon sehr gut. Und wenn dann noch die Chance auf künstlerische Entfaltung hinzu kommt, dann ist Faye eben nicht mehr zu bremsen.

Ihre ursprünglich weisse Hose sah dann bald aus wie ein Tüncherlappen nach der Farbprobe.

 

 

 

 

 

Und nach der künstlerischen Arbeit, machten die zwei sich dann an etwas nützliches: der Rasen musste gemäht werden.

Montag, 22. Juni 2009

Kuchen im Buro

Susan hat heute Geburtstag

Etwas Studioarbeit

Diese goldige junge Dame heisst Erika, und sie ist die jüngste Tochter von Faye’s Lieblingslehrerin Patty. Heute, am Montag, wird Erika drei Jahre alt. Miss Patty fragte mich, ob ich zu diesem Anlass von Erika ein Portrait fotografieren könnte.

“Klar”, sagte ich, “pack Deine Kinder ins Auto, und komm rüber zu uns!”. Also kamen Erika, Michael und Miss Patty bei uns Samstag morgen vorbei. Faye war hellbegeistert: nicht nur ihre liebste Lehrerin war da, sondern gleich noch zwei weitere Kinder zum Spielen!

 

 

Zusammen mit Michael tobte sie sich bei den Legosteinen aus. Mit Erika, die sie vom Kindergarten her kannte, wurden die Barbie-Puppen an- und aus-, und an-, und aus-, und an-, und wieder ausgezogen, bevor sie wieder angezogen wurden. Daddy durfte sich dann nochmal am Grill austoben, und war damit auch höchstzufrieden.

Sonntag, 21. Juni 2009

Derzeit unsere Lieblingsfarm

Parky’s Farm im Norden von Cincinnati ist bei Faye immer ein Hit: egal ob sie mit Mama um die Wette rutscht, sich durch das Seil-Labyrinth in der Scheune kämpft, oder sich auf dem Spielplatz austobt, in Parky’s hat sie immer Spass.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit kurzem beginnt sie sich auch für einige der Lehr-Exponate zu interessieren, die diese Farm zeigt. Dort sieht man etwa einen halb-aufgeschnittenen Bienenstock (hinter sicherem Glas), der einem erklärt, wo der Honig herkommt (und warum Bienen nützliche Tiere sind).

 

 

 

 

 

 

 

 

Aber der größte Hit bei Faye sind ohne Zweifel die Pony’s bei Parky’s. Was solls, sie ist und bleibt ein Kentucky Girl.

Samstag, 20. Juni 2009

Prinzessin mit Biss

Letzte Woche kam Faye zu mir ins Büro; gekleidet in ein pinkfarbenes Tuft-Kleid mit Röckchen, Fee-Flügeln, Tiara, und ungefähr einem Dutzend Ringen, Armbändern und Halsketten. Und sie meinte: “Daddy, fotografier mich!”

  Sowas muß man mir nicht zweimal sagen. Also gingen wir runter ins Fotostudio, wo diese Aufnahmen entstanden. Die Beleuchting hier ist mit einer sogenannten “Lightsphere”, die ich mal im Studioeinsatz ausprobieren wollte. Im Prinzip ist das nur eine Plastikschüssel, die über den Blitz gestülpt wird, um die Lichtquelle deutlich zu vergrößern (das macht das Blitzlicht viel sanfter).

Mein Urteil: ein Blitzlicht mit Lightsphere ist deutlich besser als ein “bloses” Blitzlicht. Aber die Ergebnisse mit Diffuser-Schirmen (wie ich normalerweise im Studio fotografiere) sind noch einmal deutlich besser.

Wie dem auch sei – ich habe ein tolles Model.

Freitag, 19. Juni 2009

$3.000.000.000 ins Wasser gesetzt

 

Dieses Bild (vom Flickr user DBench) zeigt im Vordergrund die Brent-Spence-Bridge, die wichtigste Brücke über den Ohio in unserer Gegend. Mehr als 160.000 Fahrzeuge überqueren diese zwei-stöckige Brücke jeden Tag. Die beiden Bundesautobahnen I-71 und I-75 laufen in Cincinnati für ca. 5 Meilen zusammen, um gemeinsam auf der Brent-Spence den Ohio überqueren zu können. Jedesmal wenn wir nach Cincinnati fahren, überqueren wir diese Brücke zweimal. Die Verkehrsstaus an den Auffahrtsrampen der Brücke sind die schlimmsten Verkehrshindernisse im Grossraum Cincinnati.

Das Problem: die Brücke war nur für 100.000 Fahrzeuge/Tag ausgelegt. Und bis 2012 soll das Verkehrs-aufkommen an dieser Stelle auf 230.000 Fahrzeuge/Tag steigen. Und laut den Ingenieuren die für solche Dinge verantwortlich sind,  kann die Sicherheit der 1963 eröffneten Brücke nur bis etwa 2012 garantiert werden.

Schliessen kann man die Brücke nicht, es gibt keine Alternative dazu. Also gibt es einen  “Entsatz-Plan”: die Staaten Ohio, Kentucky und Indiana, und die Städte Cincinnati in Ohio und Covington in Kentucky (die Anlieger der Brücke) wollen eine zweite Brücke unmittelbar im Westen der Brent-Spence bauen (siehe Planbild oben). Sobald die neue Brücke fertig ist, wird temporär sämtlicher Auto-Verkehr darüber geleitet. Das erlaubt die Brent-Spence zu renovieren. Wenn beide Brücken dann gebaut, bzw. renoviert, sind, werden die beiden Autobahnen aufgesplittet: I-75 geht dann in Zukunft über die westliche, I-71 über die östliche Brücke nach Kentucky.

Ein guter Plan. Er hat nur zwei Fehler:

  • die optimistischsten Pläne erwarten einen Baubeginn für die neue Brücke in 2015 (3 Jahre, nachdem die Sicherheitsgarantie der alten Brücke abläuft)
  • der Plan kostet wenigstens 3 Milliarden Dollar; viel mehr Geld, als die oben gelisteten Gebietskörperschaften zusammen aufbringen können

Mir ist es immer ein Rätsel, wie man derart viel Geld für ein relativ begrenztes Projekt ausgeben kann. Aber zumindest für den zweiten Teil des Problems gibt es jetzt einen Hoffnungsschimmer: die Kongressabgeordneten der Region versuchen zusammen etwa $550 Millionen von der Bundesregierung aus dem Wirtschaftspaket zu bekommen.

Wohl denn, ab 2012 werden wir wohl zweimal täglich über eine garantie-lose Brücke fahren.

Donnerstag, 18. Juni 2009

Termitenschutz

Keine besonders schönen Bilder heute, aber interessant für den, der so was noch nicht gesehen hat: wie wird ein Haus Termitensicher gemacht (zum Hintergrund, siehe den Artikel “Ameisen und Termiten” von vor ein paar Tagen).

Zuerst gehen Mitarbeiter der “Kammerjägerfirma” (“Exterminators”) um das komplette Haus herum, und bohren 30cm tiefe Löcher in das Fundament. Im Abstand von 5 Zoll (12cm) sind das bei einem etwas größeren Haus wie dem unseren schon ein paar Löcher. Hier sieht man unsere, wie immer vorbildlich aufgreräumte, Garage.

Dann kommt ein anderer Mitarbeiter mit einem Schlauch, und füllt die Speziallösung in diese Löcher ein (mit Hilfe einer Pumpe aus dem Tank auf diesem Truck). Im Prinzip wird der Beton des Fundamentes mit der Proteinlösung getränkt. Aus dem porösen Beton, sickert diese Lösung dann über 10 Jahre hinweg in die hausnahen Erdschichten, und bildet dort die Barriere, die die Termiten abtötet. In einem zweiten Arbeitsschritt wird rund um das Haus herum die Fundament-nahe Erdschicht mit derselben Lösung angefeuchtet, um eine Erstbarriere zu erstellen.

Zum Schluss werden die ganzen Bohrlöcher wieder mit Beton verschlossen, und wir können unsere Garage wieder einräumen. An diesem Bild sieht man gut die Holzrahmen-Bauweise mit der hier Häuser errichtet werden: auf einem Betongerüst wird mit Balken ein Rahmen aufgebaut, der dann mit Wandplatten (oder Ziegelsteinen) verschlossen wird. Diese Hölzer sind es, die Termiten anziehen.

Mittwoch, 17. Juni 2009

Auf Deutschlandreise

Sind unsere Freunde, die Stockmanns. Claudia gab ihnen einen Lift zum Flughafen, und wir sind nun offizielle “Carsitter”. In der vorderen Reihe, von links nach rechts: Kelly und Erik. In der hinteren Reihe Viki, Holger, Kevin und Claudia.

Das Ende der Direktflüge

Vor wenigen Tagen haben wir bestätigt bekommen, daß Delta die Direktlinie Frankfurt – Cincinnati im September einstellt. Wer uns nach September besuchen will, muss also wahrscheinlich in New York City, Chicago oder Atlanta umsteigen.

Mein eigenes Pool!

Darauf ist Faye nun wirklich stolz. Seit Monatsbeginn hat sie ihr eigenese Plantsch-Pool auf der Terasse. Zunächst  hilft sie Mama beim Aufblasen, und dann geht es ans Spielen. Immer mit Sonnenbrille, das ist beim Sommer in Kentucky sehr, sehr, ratsam.

Und gutes Spielzeug gehört zur Abkühlung im Pool eben auch dazu. Besonders gefallen Faye eine Batterie-getriebenes Yacht, und ein Unterseeboot, das richtig ab-taucht und auf-taucht.

 

 

 

 

Dienstag, 16. Juni 2009

Grillzeit

Wenn man derzeit bei den Einkaufshäusern in Cincinnati vorbeischaut, fällt einem sofort eine Unzahl von Grillgeräten auf, die meist noch vor dem Ladeneingang am Strassenrand aufgebaut werden. Gross; auf Rollen; aus Edelstahl; mit vielen Knöpfen, Hebeln, Schaltern und anderen Bedienelementen. Mit Anrichteplatten, Warmhaltebereich, Zwei- oder Mehrzonenkochtechnik; Rächerzusatz  – es wird kompliziert. Und gross. Fast alle Grills, so scheint es, werden heute mit Gas betrieben. Bequem, aber einfach nicht derselbe Geschmack. Die Luxusgeräte, die sogenannten “Grillcenter”, brauchen gar einen Stromanschluss: sie bieten eine elektrische Kochplatte, und (keine Übertreibung) einen eingebauten Kühlschrank.

Wir dagegen haben einen einfachen Kugelgrill. Mit Einzonen-Kochtechnik; das einzige Bedienelement ist der Deckel (der entweder drauf ist, oder nicht); als Anrichteplatte wird der Terassentisch genutzt; und in Abwesenheit eines Warmhaltebereiches essen wir halt unser gegrilltes Essen gleich auf.

Einen Riesen-Kühlschrank haben wir wenige Schritte entfernt in der Küche. Und auf dem Küchenherd mehr als genug Kochplatten (5). Auf der Terasse brauchen wir wirklich keine weiteren.

 

 

 

Nee, von einem Gasgrill halten wir nicht viel. Wir schichten lieber unsere Holzkohlen per Hand auf, geben etwas Anzünder zu, und dann flammt es. Das schmeckt viel besser und ist irgendwie natürlicher. Und wir lieben das Grillen. Wenn es nicht gerade regnet, und wir halbwegs die Zeit dazu haben, gehe ich zum “Kochen” auf die Terasse.

Am liebsten grillen wir marinierte Hühnerbrust mit Gemüse (Rezepte auf Anfrage). In einem früheren Artikel haben wir schonmal beschrieben, wie man Erdnuss-Bananen als Desert auf dem Grill zubereitet – das Rezept könnt Ihr hier nachlesen. Das wichtigste: die Grillkunst kommt beim Publikum an.

Montag, 15. Juni 2009

Summer Fair in Coney Island

Coney Island ist der älteste Vergnügungspark im Raum Cincinnati. Letztes Wochenende besuchten wir dort die Summer Fair 2009 – eine lustige Ausstellung von Künstlern, Handwerkern, Musik- und Theatergruppen.

Faye interessierte das alles weniger. Ihr ging es vor allem um die Spielplätze in Coney Island. Die sind sehr gut gemacht - unsere Tochter hatte jede Menge Spaß beim Spielen. Und Ihr Daddy hatte jede Menge Spaß beim Fotografieren.

Das oberste Bild ist mit sogenanntem “Action Zoom” geschossen: man löst eine relativ lange Belichtungszeit während der Zoom-Bewegung aus. Im Prinzip verändert sich während der Belichtung die Brennweite des Objektives. Das ergibt diese zum Rand hin explodierenden Hintergrunds-Punkte.

Die anderen beiden Bilder sind klassische “Pans”: das Objektiv wird mit dem sich bewegenden Subjekt mitgeschwungen, und ist daher während der Belichtung in Bewegung. Wieder wird eine relativ lange Belichtungszeit verwendet. Beide Techniken verlangen etwas Übung, und gehen meist schief: ich habe ca. 60 Aufnahmen geknippst, um diese drei “guten” zu bekommen. Aber was solls: in der Digitalfotografie kostet eine Aufnahme genau $0.

Sonntag, 14. Juni 2009

Unsere kleine Fee

Die Nummer mit der Fee hat sie wirklich drauf, unsere Faye: regelmäßig schlüpft sie in ihr Ballerina Kleid, Balletschuhe, zieht sich ein paar Flügel und eine Tiara an, und schnappt sich ihren Zauberstab. Dann ist sie bereit. Bereit Dich zu verzaubern.

Und wenn das mit dem Fliegen nicht schnell genug geht (Geduld ist nicht gerade ihre Stärke), dann schwingt sie sich eben auf ihr magisches Ross, und galoppiert in den Einsatz. Schlieslich kommt sie ja aus dem Pferdestaat Kentucky, unsere Fee. Em, unsere Faye. Wie dem auch sei: wenn sie Dich bezaubert, dann schaut sie Dir tiiieeeeef in die Augen ..

Samstag, 13. Juni 2009

Sendeschluss

Heute um Mitternacht geht in den USA die Ära des analogen Fernsehens zu Ende: das älteste Fernsehsystem der Welt hört auf analog zu senden.

Empfang über Antenne ist zwar nach wie vor möglich, aber der Fernseher muss in der Lage sein, das digital gesendete Signal in ein Bild zu übersetzen.

In keinem anderen Land kann ich mir vorstellen, dass ein TV Projekt auf derart hoher politischer Ebene gemanaged wird wie hier in den USA: die Bundes-Rundfunk-Aufsichtsbehörde, die Federal Communications Commission, leitet die Umstellung. Der Kongress hat mit unzähligen Eingaben, Kommissionen, Debatten und Gesetzes-Entwürfen kräftig mitgemischt. Und der Präsident höchstpersönlich hat entschieden, daß der Übergang zu rein digitalem Fernsehen um vier Monate, von Februar auf Juni, verschoben wird. “Das Land war im Februar dazu noch nicht bereit”, hiess es Ende Januar aus dem Weissen Haus.

 Obwohl das Fernsehprogramm in den USA fast zu 100% privatwirtschaftlich organisiert ist, redet der Staat gerade wenns ums Fernsehen geht kräftig mit. Aus einem mit Steuermitteln öffentlich finanzierten Budget von $500 Millionen werden an die Bürger $40 Coupons ausgegeben, die die Kosten einer “Converter Box” decken, mit der das digitale Bild auf dem alten, analogen, Fernseher dargestellt werden kann. Mit anderen Worten: wenn Du Dir keinen neuen Fernseher leisten kannst (oder willst), bezahlt der Staat Dir den Übergang ins neue System. Dennoch erwartet man, daß ca. 5% der im Lande genutzten TV’s ab morgen nicht mehr funktionieren werden.

Das jetzige amerikanische Fernsehsystem existiert sage und schreibe seit 1928. Die heute dominierenden Fernsehsender ABC, CBS und NBC gingen in den 30er Jahren aus Hörfunkstationen hervor. Seit 1941 wird das Programm in Farbe ausgestrahlt – Jahrzehnte früher, als in den meisten anderen Ländern. Und das 1939 definierte Farbsystem NTSC ist im 21. Jahrhundert hoffnungslos veraltet (Spötter übersetzen schon seit Jahre die Abkürzung NTSC als “Never The Same Color”, oder “Nie Die Richtige Farbe”). Das ist der technische Grund für diesen Übergang zum digitalen Fernsehen.

Die Bedeutung die das Fernsehprogramm für die Kultur der USA hat, kann man kaum überschätzen. Im Unterhaltungsbereich schuf das NTSC Fernsehsystem solche Hits wie I Love Lucy; Laurel & Hardy; Bonanza; Battlestar Galactica; Dallas; Miami Vice oder Lost. Und im politischen Bereich wird allgemein angenommen, dass bereits die Präsidentenwahl 1959 (Richard M. Nixon gegen John F. Kennedy) durch den besseren Fernsehauftritt Kennedys entschieden wurde. Heute hat der Kongress in Washington sein eigenes Fernsehprogramm mit drei Kanälen, auf denen jede, aber auch jede Plenarsitzung, Ausschussitzung, Kommission, Fragestunde, Debatte und jede andere Form der Kongressarbeit übertragen wird.

In unserem Programm hier in Hebron gibt es alleine 6 Lokalstationen: “lokal” bedeutet hier nicht etwa Programme aus Cincinnati (da gibt es viel mehr als 6), sondern Programme aus dem kleinen Flecken Hebron. Jedes Basketball und Footballspiel der örtlichen Gymnasien, jede Stadtratssitzung, unzählige Gottesdienste und Predigen, ja sogar jede Sitzung der Schulkommission werden so im Lokal Fernsehen übertragen. Die amerikanische Version der Demokratie ist ohne Fernsehen unvorstellbar.

Viele amerikanische Familien haben mehr TV Geräte als Familienmitglieder. Zusammen mit Elektrizität und Telefon gibt es in fast jedem Zimmer des Hauses einen Anschluss ans Fernsehkabel. Zu jedem Schlafzimmer gehört ein TV. Spezielle TV Geräte sind für den Einsatz in der Küche (ausklappbarer Bildschirm wird an der Unterseite der Hängeschränke montiert) oder im Badezimmer (wasserabweisend) entworfen. Man kann sogar Kühlschränke mit eingebautem Fernseher kaufen. Im Wohnzimmer steht sowieso zwangsläufig ein TV. Und im Keller hat man heute ein “Media Center” – sprich einen Riesenfernseher mit 52 oder gar 60 Zoll, zusammen mit Ledersesseln, auf dem man dann jeden Sonntag die Football Spiele anschaut.

Wir zeigen unsere europäische Herkunft dadurch, daß wir “nur” zwei TV Geräte besitzen (strenggenommen können wir natürlich auf unseren Computern fernsehen), und keines davon steht im Wohnzimmer (eines ist in unserer Gallerie, eines am Laufband im Keller). Oftmals, wenn uns amerikanische Freunde das erste Mal besuchen und wir ihnen das Haus zeigen gibt es die folgende Konversation: “Und wo ist Euer Wohnzimmer?” - “Du stehst mitten drin”. “Das kann nicht sein, in diesem Zimmer steht kein Fernseher”.