Zur Amtseinführung von Barack Obama, als 44. Präsident der Vereinigten Staaten, habe ich im wesentlichen eine Frage, die ich nicht beantworten kann: warum eigentlich, würde irgendjemand heute diesen Job wollen?
Man überlege sich nur mal die Hindernisse: die Armee ist in zwei Kriege verwickelt, und bei keinem ist ein traditioneller "Sieg" auch nur möglich; die Arbeitslosigkeit ist so hoch, wie seit den 70er Jahren nicht mehr; die größten Firmen sind praktisch halbverstaatlicht, und nur noch mit Staatshilfte überlebensfähig; die Reputation des Landes ist so ruiniert, dass jemand der den Vorgänger mit Schuhen bewirft, selbst im Land teilweise applaudiert wird; die Bürger sind nach acht Jahren von Lügen und Korruption derart zynisch geworden, dass sie jemanden in das Parlament wählten, der hauptberuflich Clown ist (Al Franken in Minnesota); und das Budget ist derart überzogen, dass eine Deckungslücke von 1,2 Trillionen (1.200 Milliarden) droht. Warum also, möchte irgendjemand freiwillig US Präsident werden?

Hier der aktuelle Cartoon des Time Magazine: George W. Bush und Barack Obama fahren in der Staatskarosse. Bush sagt: "Barack - hier sind die Schlüssel. Wie Du siehst, sind sie im besten Zustand".
Das Geld ist es sicherlich nicht, was Obama bewegt. Er könnte als Rechtsanwalt ein vielfaches des Präsidentengehaltes von US$ 400.000 verdienen. Selbst seine Frau Michelle verdiente etwa das dreifache dieser Summe, bevor sie als "Kandidatenfrau" mit dem Job aufhörte.
Ein besonders sicherer Job ist es auch nicht. Auf jeden der US Präsidenten des 20. Jahrhunderts wurden während der Amtszeit wenigstens zwei Attentate verübt. Und seit George Washington wurden gar fünf der Amtsvorgänger Obamas im Amt ermordet.
Sicher, es gibt viele positive Seiten zum Job: wer am Schreibtisch im Oval Office des White House sitzt, ist ohne Zweifel der mächtigste Mann der Welt. Wenn er etwas sagt, hört nicht nur die Nation zu, sondern oft auch die ganze Welt. Sicherlich gibt es keine andere Position in der Welt, mit der man so viel gestalten kann. Und ausserdem: der Amtsvorgänger George W. Bush hat die Messlatte derart niedrig angelegt, dass Obama eigentlich kaum eine andere Chance hat, als erfolgreich zu sein: Obama kann einen kompletten Satz sprechen, ohne sich zu verheddern (Erfolg!); er braucht sich eigentlich nur an die Verfassung und die Gesetze seines eigenen Landes zu halten (Erfolg!); er könnte seiner Bevölkerung bei Fernsehansprachen hin und wieder mal die Wahrheit sagen (Erfolg!); er könnte Leute in Fühurngspositionen ernennen, die etwas von diesem Job verstehen, und deren einzige Qualifikation nicht darin besteht, für seinen Wahlkampf gespendet zu haben (Erfolg!).
Tja, einige Sachen sind überraschend einfach. "Low hanging fruit" (niedrig hängende Früchte), nennt man sowas im Englischen. Aber wenn diese low hanging fruit aufgebraucht sind, gibt es eben immer noch ein Rekorddefizit, Arbeitslosigkeit, eine desaströse Wirtschaft, und zwei Kriege.
Die Erwartungen an "44" sind unglaublich hoch. Er müsste fast messianische Fähigkeiten besitzen, wenn er sie alle erfüllen wollte. Aber, nach acht Jahren mit "43" sind wir in diesem Land nun schon mit wenigem zufrieden. Im Moment jedenfalls.