Nun ist es offiziell Frühling! In Cincinnati beginnt der Frühling nicht etwa am 21. März, sondern am “Opening Day” – dem ersten Heimspiel der Cincinnati Reds in jeder Saison. In dieser Baseball-verrückten Stadt wird die Rückkehr der Reds automatisch mit einer Parade, und einem Volksfest gefeiert. Warum auch nicht.
Etwas kühl war es heute – Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt. Aber einen richtigen Reds Fan schreckt das natürlich nicht ab. Wozu hat man Jacken, Kapuzen, Decken und Klappstühle?
Schliesslich sind wir ja nicht in Miami.
Immer wieder gern gesehen sind bei der Opening Day Parade die historischen Uniformen der Cincinnati Red Stockings von 1969 (damals wurden die Red Stockings das erste professionelle Sportteam der Welt).
Hier führt ein Bäcker aus Florence seinen 18-Monate alten Enkel in der Parade an der Hand. So wächst man hier in Cincinnati von klein auf mit Baseball auf. Der Sport wird einem sozusagen in die Wiege gelegt.
Das hier ist Joe Morgan, der legendäre 2nd Baseman der Cincinnati Reds aus den 70er Jahren. Damals errang er mit seinen Reds zwei Weltmeisterschaften. Danach schrieb er Bücher über Baseball, machte als Sportkommentator Karriere, und machte sich vielfach um Cincinnati verdient. Heute, mit 67 Jahren, ist Joe Morgan der “Grand Marshall” der Opening Day Parade.
Und hier noch eine ganz besondere Truppe: das ist eine Gruppe von Kindern der Immaculate Heart of Mary Schule in Burlington (die Schule, die Faye derzeit besucht), die ihre Schule bei der Parade vertraten. Faye selbst lag zu diesem Zeitpunkt mit Fieber zu Hause im Bett. Sie wäre sicherlich gerne mitgelaufen. Irgendwann klappt das auch mal.
Ach ja – Baseball wurde an diesem Donnerstag auch gespielt. Die Reds schlugen die Brewers aus Milwaukee mit 7:6. Hoffentlich ein gutes Omen für eine weitere tolle Saison. Die letzte war schliesslich fantastisch.
Hier unten seht Ihr eine sehr interessante “Zeitraffer-Minute”, aufgenommen im “Great American Ballpark”, dem Basball-Stadium der Stadt. Es zeigt die Vorbereitungen bis zum Beginn des Spieles. Macht Spass anzusehen.






Von Farmer Joe mit seiner Uraltkutsche, über die Baptisten, die Feuerwehr, die High-School Bands, die Cheerleaders, die Stadtrats-Kandidaten, die Landrats-Kandidaten, bis hin zur Karate-Akademie und dem örtlichen Pizza-Joint, sie waren alle dabei. Wie sich das eben in Small Town USA so gehört. Die Boy Scouts (Pfadfinder) stellten eine Flaggengarde. Und wer sich keinen grossen Aufbau aus Pappmarchee leisten konnte (oder wollte), der warf einfach ein paar Strohballen auf den Hänger, dazu ein paar Familienmitglieder gekleidet in den Nationalfarben rot-weiss-blau, den Hund dazu, und fertig ist der Wagen für die Parade.
Letzten Montag war Feiertag hierzulande – Memorial Day, der Tag, an dem die Nation ihrer Truppen und den in den verschiedenen Kriegen Gefallenen gedenkt.


Wer mehr Drill wünschte, der wurde mit der “Klappstuhl-Brigade” belohnt. Dieser Klub von vereidigten Biertrinkern aus Fort Thomas exerziert mit Klappstühlen. Einer der Trinker versucht sich im Kasernenhofton “Präsentiiiiiiiiert den Stuhl!”, und wenn zu viel schiefgeht (und die Parade ins Stocken gerät), dürfen die Brigadisten schonmal Liegestützen machen.
Bei unserem Abschnitt der Parade allerdings, ging alles (verhältnismäßig) glatt, und die Brigadisten durften sich, zackig auf Kommando, hinsetzen: “Trinker neeeeeeeehmt Platz!”.
Dies hier sind die “Patriotic Riders”, ein Motorradclub aus dem Nachbar-Städtchen Newport. Interessant, daß die Patrioten Honda fahren (ich hätte mir einen Patrioten eigentlich auf einer Harley vorgestellt).
Im zweifelsfrei amerikanischen Buick lies sich diese Dame durch die Parade fahren.
Unser Senator Jim Bunning dagegen, bewies schlechten Geschmack: er lies sich auf einem Volkswagen Golf durch die Menge fahren. Ein gutes Auto, keine Frage, aber bitte – ein Politiker auf einem Importwagen während die eigene Autoindustrie ums Überleben kämpft? Kein Wunder, daß man davon ausgeht, daß Bunning die nächsten Wahlen verlieren wird (er ist dafür bekannt, daß er kein Fettnäpfchen ausläst und hat sich den Spitznamen “Patzer-Bunning” verdient).
Zum 4. Juli, dem amerikanischen Nationalfeiertag, gibt es traditionell eine Parade. Wir haben uns dieses Jahr die Parade im Städtchen Fort Thomas ausgesucht. Klein, überschaubar, beschaulich, eine gewachsene Kommune.
Diesen Herrn dagegen sieht man nicht ganz so häufig: Benjamin Franklin. Einer der Gründungsväter der amerikanischen Republik, einer der Unterzeichner sowohl der Unabhängig-keitserklärung als auch der Verfassung. Er war zwar er nie Präsident, aber dafür der erste Finanzminister der USA.
Viel später, aber immer noch viel zu früh, starb dieser berühmte Amerikaner. Der erste König des Landes, der King of Rock’n’Roll . Seit seinem Tod ist Elvis Presley nun bei so ziemlich jeder Parade zu finden. Ohne ihn fehlt einfach etwas. Er sieht gut aus, und auf einer Parade muss man auch nicht unbedingt singen. Und ausserdem kann man sich als Politikerin in einen pink-farbenen Pettycoat kleiden, wenn man nebem Elvis im Cabriolet durch die Strassen von Fort Thomas fährt. Für die Kandidatin hier offensichtlich ein wichtiges Argument.
Mir dagegen waren bei der Parade vor allem diese zwei Superstars wichtig. Und Faye war ganz von den Lollipops begeistert, die zu Tausenden ausgeworfen wurden (sie bekam genug Kalorien für drei Schuljahre zusammen). Es war die erste Parade die sie gesehen hat. Und auf dem Nachhauseweg wollte sie wissen, ob wir morgen nicht wieder eine Parade besuchen könnten.
