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Samstag, 17. Oktober 2009

All Abooooooaaaard!

“Einsteigen, Bitte!” So ruft der freundliche Schaffner Paul Gahn nach dem obligatorischen Pfiff mit der altertümlichen Trillerpfeife. An seiner makellosen Uniform und seinem stets freundlichen Lachen erkennt man, daß der Rentner mit voller Begeisterung dabei ist. Letzten Samstag hatten wir drei Tickets auf dem “Pumpkin Patch Express” (Kürbisfeld Express) gelöst – es war die erste Zugfahrt in Faye’s Leben. Und sie hat sie absolut genossen. Die Fahrt ging auf der Lebanon-Monroe-Railroad, einer privaten Linie die einer Reihe von Eisenbahnveteranen und Enthusiasten im Großraum Cincinnati gehört. Für das Zugpersonal ist das Restaurieren des Geräts, und das Fahren der Züge, ein Freizeithobby. Die Linie fährt vier Mal im Monat. Mit den Ticketerlösen, und Spenden, sowie jeder Menge unentgeltlicher Arbeit, finanziert sich die Eisenbahnlinie halbwegs von selbst.

In den 80er Jahren legte die staatliche Eisenbahngesellschaft Amtrack den kompletten regionalen Personen-Eisenbahnverkehr im Großraum Cincinnati still. Nur Fracht, und überregionale Personenzüge (auf der Linie New York City – Chicago) halten heute noch in Cincinnati. Damals schloss sich schnell eine Gruppe von Eisenbahnfans zusammen. Sie kauften eine Lokomotive und ein paar ausrangierte Waggons der Indiana-Ohio Linie, und machten ihre eigene Gesellschaft auf.

Die Waggons sind Baujahr 1930, die Lokomotive stammt von 1941. Das klassische Zeitalter der Eisenbahn in den USA war zwar in den 1890’ern, aber heutzutage gilt jeder Schienenverkehr in diesem Land als Nostalgie. Mit dem Luxus eines ICE sind diese Wägen absolut nicht zu vergleichen. Zwar ist alles liebevoll und detailgenau restauriert, aber auf Komfort waren die Züge der 30er Jahre eben nicht ausgelegt. Dennoch, für Faye, die hier mit Amy’s Cousine Jennifer und Amy’s Neffen William spielt, war es ein großes Erlebnis.

Eisenbahnstrecke Lebanon - Mason

45 Minuten lang zog uns die Dampflock vom Städtchen Lebanon in Ohio zu einer Farm kurz vor dem Ort Mason. Farmer Schappacher hatte einen Behelfs-Bahnsteig aus Holzbohlen angelegt, damit die Fahrtgäste mit halbwegs sauberen Schuhen auf die Farm kamen. Dort gab es dann einen Pumpkin Patch, einen Snack zu Essen, ein paar Tiere zu streicheln, und ein paar Andenken zu kaufen (davon gibts morgen ein paar Bilder). Der Zug wartete ca. 90 Minuten lang dampfend auf uns.

Danach gab es einen lauten Pfiff von der Dampflok, und wir bestiegen unsere Waggons zur Rückreise. Auf der Rückfahrt verliebte sich der zweijährige William dann so sehr in Faye, daß er ihr gleich eine ganze Batterie Knutscher gab. Naja, als gutaussehendes Mädchen, muß Faye wohl früher oder später lernen, wie man mit so einer Situation umgeht.