Montag, 4. Dezember 2006

Der Schlechteste Überhaupt - noch

Interessanter Artikel gestern in der Washington Post - der viel gelesenen Hauptstadtzeitung: 1948 hat der damalige Dekan der Historischen Fakultät der Harvard Universität, Arthur Schlesinger, damit begonnen, die US Präsidenten nach ihren Qualitäten und ihren Leistungen zu bewerten, und sie in eine Rangfolge zu bringen. Er lud seine wichtigsten Kollegen in der Geschichtswissenschaft dazu ein, beim Einordnen der Präsidenten zu helfen, und seit dem, wird diese Rangliste alle 8 Jahre veröffentlicht.

Die Historiker waren sich schnell einig darüber, wer die besten Präsidenten waren: George Washington, der Gründungsvater der Nation; Abraham Lincoln, der die Nation im Bürgerkrieg zusammenhielt; und Frederic D. Roosevelt, der die große Wirtschaftskrise bewältigte und die Nation siegreich durch den zweiten Weltkrieg brachte.
Und auch über den schlechtesten Präsidenten aller Zeiten war man sich nach etwas Diskussion einig: er griff mit fadenscheiniger Begründung ein unabhängiges Land an; umgab sich mit korrupten und unfähigen Beratern, die im wesentlichen nur Ja-Sager waren; wenn seine Politik zum Disaster führte, hielt er starrsinnig daran fest, selbst als ihm zur Amtshalbzeit die Wähler einen Denkzettel erteilten. Seine Sicht der Dinge hatte mehr mit Fantasterei, Paranoia und Realitätsferne als mit dem Machbaren zu tun; er setzte sich so sehr und so deutlich über Recht und Gesetz hinweg, daß ihm das oberste Gericht (der Supreme Court) mehrmals ausdrücklich und peinlich stoppte.

Die Rede ist von Präsident James K. Polk, der 1846 den Amerikanisch-Mexikanischen Krieg vom Zaun brach. Allerdings trifft diese Beschreibung wort wörtlich auch auf den jetzigen Präsidenten zu - nur, daß George W. Bush alles noch viel weiter getrieben hat. Historiker kennen keine andere Zeit, in der die Regierung derart für Unfähigkeit und Korruption stand. Deswegen, so argumentiert Prof. Eric Forner, Dekan der Historischen Fakultät der angesehenen Columbia Univeristy (der Autor des Artikels), muß man 2008 diese Rangliste überarbeiten. Und James K. Polk wird wohl endlich, 150 Jahre nach seinem Amtsabtritt, nicht mehr als der schlechteste Präsident aller Zeiten gelten.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hi,

manchmal erstaunt es mich, wie realistisch Du die Politik der US-Administration siehst. Wo wir doch von Dir (naheliegenderweise) eher amerikafreundliche Töne gewohnt sind. Aber das eigentliche Problem, das durch die Regierung Bush entstand, ist sicher nicht dessen Einschätzung durch Hochschul-Professoren, sondern die Beschädigung des Images der USA in der ganzen Welt. Das Image eures Landes befindet sich, wie man ohne Übertreibung sagen kann, derzeit "im freien Fall". Das gilt selbst für Länder wie England und Germany, die doch traditionell zu den engen Gefolgsstaaten der USA gehören. Von anderen Staaten. z.B. im Nahen Osten, gar nicht zu reden. Der weltweiten Islam-Power konnte gar nichts Besseres passieren als Bush. Der hat damit nicht nur seinem eigenen Land, sondern eigentlich der ganzen Welt massiv geschadet. Ob das ein Nachfolger dieses Schwachkopfs jemals wieder gut machen kann, ich wage es zu bezweifeln.

CK