In den 90er Jahren war ich beruflich wenigstens 80 mal in Warschau – damals prägte alleine dieses Monster links das Stadtbild. Es handelt sich um den “Kulturpalast” – ein Ungetüm des sozialistischen Realismus mitten im zentralen Platz der Stadt. Der Hintergrund: dieses Gebäude ist ein Geschenk Josef Stalins an das polnische sozialistische Brudervolk. Ein Geschenk zum Dank dafür, dass Polen “freiwillig” die kapitalistische Wirtschaftshilfe der Nachkriegszeit (besser bekannt als “Marshall Plan”) abgelehnt hat.
Dementsprechend beliebt ist dieses Gebäude bei den Polen. Die meisten würden gerne ein paar Stangen Dynamit in es investieren. Aber bisher konnte sich die Stadt Warschau es einfach nicht leisten, dieses Gebäude zu ersetzen. Statt dessen beweisst sich der sprichwörtliche polnische Sinn für Humor: “Von wo aus hat man den besten Blick auf Warschau? Vom Dach des Kulturpalastes aus. Warum? Von dort aus siehst Du ihn wenigstens nicht.”
Wie dem auch sei – die Stadt an der Weichsel ist kaum mehr wiederzuerkennen. 20 Jahre solides wirtschaftliches Wachstum, gekoppelt mit der Arbeitswut für die Polen bekannt ist, haben die Stadt zu einer modernen Metropole gemacht.
Gelegentlich findet man noch Überbleibsel des real existierenden Sozialismus. Sowie etwa dieses Relief, das die Partnerschaft zwischen Arbeitern und Regierung zum Zweck der sozialen Entwicklung des mächtigen polnischen Volkes preist (des Polnischen nicht mächtig reime ich mir den Text jedenfalls so zusammen). Aber diese Reste der verhassten kommunistischen Zeit sind selten geworden. Es dominieren moderne Architektur, gewagte Formen aus Stahlbeton und Glas, sowie etwa dieses Einkaufszentrum unweit des Hauptbahnhofs.
Und die Stadt ist lebendig. Veranstaltungen, Konzerte, Oper, Biergärten – hier passiert was.
Etwas spezielles das zu der Zeit gerade passierte, als ich in Warschau war, war die Stichwahl um das Amt des polnischen Präsidenten. Gelegenheit genug um zu sehen, daß sich in Polen nun auch die Unsitte der politischen Plakatwerbung – und des damit einhergehenden Vandalismus - durchgesetzt hat.

5 Kommentare:
Hallo Hubertus, ich muss dich wieder mal loben: deine Blog-Einträge sind immer interessant zu lesen. Und die Bilder sind auch stets sehr gut. Über ein Wort bei diesem Eintrag bin ich allerdings gestolpert: "Arbeitswut". Für Polen??? Wir haben ja Verwandte in Bautzen (an der polnischen Grenze, die ihre östlichen Nachbarn seit vielen Jahrzehnten bestens kennen. Die würden wohl bei der Bezeichnung für Polen in lautes Lachen ausbrechen. Naja, vielleicht ist es in der Großstadt etwas anders.
Ich gucke mir übrigens seit deinem Blogeintrag vor einigen Wochen (fast) täglich den What-the-duck-Strip an. Echt klasse!
Sehr gut; im Übrigen schließe ich mich dem Kommentar von Claus voll an
Gruss Daddy
Es gibt aber auch sehr fleißige Polen und zwar diejenigen die bei uns in der Altenpflege und als Erntehelfer arbeiten. Dafür gibt es bei uns keinen Ersatz, auch nicht unter den vielen deutschen Arbeitslosen.
Ich baue meine Erfahrung auf 13 Jahren Erfahrung: im Bezug auf Bildung, Ehrgeiz, Sorgfalt, Fleiss und harter Arbeit müssen sich meine polnischen Kollegen hinter niemandem verstecken.
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