In Burlington, ca. 5 Meilen von uns entfernt, hat unsere Landkreisbibliothek gestern ihre neue Hauptfiliale eröffnet. Klarer Fall - bei dieser Party mussten wir dabei sein.Auf drei Stockwerken und über 7.000 m² Fläche bietet die neue Hauptzweigstelle der Boone County Public Library aber auch wirklich viel: mehr als 50 öffentlich zugängliche Computer; Parkplätze für 195 Autos; 10 Versammlungsräume die man anmieten kann (drei der Räume können zu einem großen Veranstaltungssaal mit über 300 Sitzplätzen und Veranstaltungsbühne zusammengelegt werden); eine Snack Bar; Leseräume; mehrere Hausaufgabenräume; drei Innen-Spielplätze (für Kinder verschiedener Altersgruppen); Projektsionsgerät für Multi-Media Präsenationen. Ach ja - beinahe hätte ichs vergessen: eine Büchersammlung mit 250.000 Bänden.
Seit ich das erste mal in diesem Land lebte war ich von der Qualität der amerikanischen Bibliotheken beeindruckt. Aber die neue Main Library in Burlington setzt dem alles noch die Krone auf. Bibliotheken im 21. Jahrhundert müssen hart daran arbeiten, relevant zu bleiben: früher ging man hauptsächlich in die Bibliothek um Fakten zu recherchieren; das tut man heutzutage auf dem Internet. Wozu braucht man dann noch eine Bibliothek mit großen Gebäuden und ihrem teuren Personal?
- Es gibt keinen "Ausleihschalter" mehr: quer über die Bücherei sind Computerterminals verteilt, mit denen die Nutzer der Bücherei selbst ihre Bücher ausleihen können. Das dadurch eingesparte Personal ist in der Büchersammlung zu finden; dort sprechen sie Leute an, die Bücher suchen und geben fachkundigen Rat. Das gibt der Bücherei in viel menschlicheres Antlitz, und erlaubt den (ausgebildeten) Bibliothekaren ihre Zeit damit zu verbringen, was sie am besten können: beraten, anstatt zu verwalten.
- Mehr als 50 Computerstationen können kostenlos dazu genutzt werden, das Internet zu surfen. Suchresultate aus dem Internet können mit Material in der Bibliothek quer-gecheckt werden. So wird eine integrierte Recherche (online und Bibliothek) zum Kinderspiel.
- Anstatt nach undurchsichtigen Sortierschlüsseln ist die Buch- und Zeitschriftensammlung nach "Nutzbereichen" sortiert - danach, wonach die Nutzer am wahrscheinlichsten suchen. Ein Beispiel: im Erdgeschoss sind mehrere Hausaufgabenräume, gedacht für Schüler der 5. bis 12. Klassen (so können Hausaufgaben in Teamarbeit gemacht werden). Um diese Räumer herum ist die Sammlung der Bücher, die diese Schüler am wahrscheinlichsten brauchen: Enzyklopädien, Lehrbücher zu Mathematik, Chemie, Physik, Geschichtsliteratur, Fremdsprachenliteratur, usw. Neben dem Raum der für Schüler der Mittelstufen gedacht ist finden sich eher grundlegende Texte; neben dem Raum für Oberstüfler stehen die etwas fortgeschrittenen Werke. Klever.
- Ein weiterer Nutzbereich (der mich sehr interessiert) ist "Photographie". Wenn ich bisher einen Bildband suchte musste ich mich in der alten Bibliothek zur Sektion "Nicht Belletristik" begeben, und dort nach Autorennamen suchen. Bildbände von Ansel Adams waren neben der Autobiographie des Politiker John Adams einsortiert. Aber wenn ich einen Band über Ansel Adams suchte, musste ich wissen, wer das Buch geschrieben hat. Klar, ich konnte vorher im Katalog suchen, aber das ist umständlich. In der neuen Bibliothek sind Bildbände der bedeutenden Photographen (Adams, Cartier-Bresson, Coit, ...) gemeinsam in einer Sektion sortiert, zusammen mit Büchern die über die jeweiligen Photographen geschrieben wurden. Und eine weitere Untersektion enthält Lehrbücher zum Thema Photographie. Da macht das Stöbern viel mehr Spaß.
Ein weiterer Nutzbereich ist die Kindersektion der Bücherei, die fast den ganzen ersten Stock einnimmt. Kinderliteratur links, Jugendliteratur rechts. Dabei sind zwei (überwachte) Spielplätze, auf denen die Eltern unbesorgt ihre Kinder spielen lassen können, während sie nach Büchern suchen. Neben Büchern für Kleinkinder (die Bücher mit den bunten Bildchen und dem dicken Papier), befindet sich Literatur für Eltern von Kleinkindern (alles von Erziehungsratgebern bis zu Finanzplanung). - Die Sektion Jugendliteratur bemüht sich, verschiedene Medien zu integrieren. Wer etwa den Roman "Der Fänger im Roggen" von J.D. Salinger sucht - Pflichtliteratur in der Mittelstufe - findet nicht nur das Buch selbst, sondern auch DVD's mit der Filmversion, und CD's mit der Filmmusik. Alles zusammen ins selbe Regal sortiert. Auf diese Weise kann man ein Thema ganzheitlich angehen.
Wie Ihr schon seht, uns gefällt es hier. Wir sind zur Eröffnungsparty am Samstag dort gewesen. Es hat uns so gut gefallen, daß wir Sonntag Nachmittag gleich nochmal hingefahren sind.


2 Kommentare:
Wie kannn man sich denn "The Catcher in the Rye" als Film vorstellen?
Offenbar für ein grösseres Einzugsgebiet vorgesehen. Beeindruckend.
Gruss Daddy
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